Info-Brief 1/2020

Nachdem wir in den vergangenen Wochen viele geplante Veranstaltungen absagen mussten und angesichts der Corona-Pandemie auch die Bildungsangebote weitgehend zum Erliegen gekommen sind, haben wir diese Zeit genutzt, um uns neu zu orientieren und die letzten Monate unserer Arbeit Revue passieren zu lassen. In einem Info-Brief an unsere Mitglieder haben wir über die Entwicklungen der letzten Monate sowie über aktuelle Tätigkeiten berichtet. Vermehrt möchten wir Sie an den Fortschritten und Projekten des Vereins teilhaben lassen und sie auch zukünftig über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden halten. Als Besucherin unserer Website können Sie über folgenden Link Zugriff auf diesen Infobrief erhalten.
 
 
Hier ein kleiner Einblick in die dargestellten Projekte:
 
 

Ausstellung über das Landjudentum im Hunsrück-Museum Simmern

Am 3. November eröffneten wir die Ausstellung „Erwachet aus dem langen Schlafe“ im Hunsrück- Museum Simmern, die in Kooperation zwischen dem Museum und dem Förderkreis Laufersweiler e.V. entstand. Die Ausstellung rückt das von der Geschichtsforschung bisher eher vernachlässigte jüdische Leben auf dem Land in den Fokus der Darstellung und zeichnet dessen wechselvolle Geschichte am Beispiel der Rhein-Hunsrück-Region nach.

Die Ausstellung vermittelt historische Hintergründe und gibt allgemeine Einblicke in das soziale und wirtschaftliche Leben der Juden auf dem Lande. Rituelle und sakrale Objekte, die meist nur über Umwege zurück in den Hunsrück gefunden haben, geben Einblicke in die jüdischen Feiertage und den jüdischen Lebenszyklus. Ein weiterer Komplex widmet sich der Thematik „Leben mit einem Trauma“, nimmt auch die transgenerationelle Traumaweitergabe in den Blick und eröffnet einen Raum zum Erinnern und Gedenken.
Begleitet wurde die Ausstellung von einem breitgefächerten Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Diskussionsrunden und Filmvorführungen. Des Weiteren erfoltgen regelmäßige Führungen und Studientage in der Ausstellung für Schulen und andere Bildungseinrichtungen.
 
 

Programm des BMEL: „Was geht mich das an?!“

Im Rahmen unseres durch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) geförderten Projektes „Was geht mich das an?!“, möchten wir mit jungen Menschen in einen Dialog über die Bedeutung von Religion und Erinnerung treten. Anfang Oktober 2019 brachen wir mit einer gemischten Gruppe von Jugendlichen deutscher und nicht-deutscher Herkunft unterschiedlichen Glaubens zu einer gemeinsamen Reise durch die deutsche Geschichte auf.
In Weimar machten wir uns auf die Suche nach den Wurzeln der ersten deutschen Demokratie, erkundeten die Kulturstadt und begegneten modernem Design in Form der Bauhaus-Schule. Mit der KZ-Gedenkstätte Buchenwald besuchten wir einen authentischen Ort der Verbrechen des Nationalsozialismus. Wir begaben uns auf die Spuren Paul Schneiders, eines evangelischen Pfarrers aus Dickenschied im Hunsrück, der als „Prediger von Buchenwald“ bekannt wurde. Neben diesem lokalen Bezug waren es die Geschichten von Gefangenen, die aus politischen, religiösen, rassischen Gründen verfolgt und aus ganz Europa nach Buchenwald gebracht wurden, die für die Jugendlichen Anknüpfungspunkte boten. In der Gedenkstätte Point Alpha beschäftigten wir uns mit der Zeit des Kalten Krieges und der innerdeutschen Grenze. Der Besuch regte Reflexionen und Gespräche über Flucht- und Migrationserfahrungen sowie über die verschiedenen Formen von Grenzen und die Bedeutung von Freiheit an.
 
 

Besuch in der Synagoge Trier

An den Besuch in Weimar knüpfte eine weitere Exkursion an, die uns im November 2019 nach Trier führte. Diese war weniger einer historischen Perspektive gewidmet, sondern eröffnete den Teilnehmenden einen Zugang zum lebendigen jüdischen Leben der Gegenwart. Während eines Besuchs in der jüdischen Gemeinde Trier lernten sie die Räumlichkeiten der Synagoge kennen und der Rabbiner der Gemeinde führte in grundlegende Fragen der Religion ein. Ein anschließendes Gespräch mit Mitgliedern der Gemeinde ermöglichte ein ungezwungenes Fragenstellen. In der persönlichen Begegnung zwischen Juden, Christen und Muslimen fand ein offener Austausch über religiöse Lehren aber auch die Gestaltung des Alltags statt.
 
 

Neugestaltung der Dauerausstellung in der ehemaligen Synagoge Laufersweiler

Die Gestaltung der temporären Ausstellung im Hunsrück-Museum bot Anstoß zur Erneuerung der Dauerausstellung. Seit der Gründung des Förderkreises im Jahre 1989 blieb sie annähernd unverändert. Hans-Werner Johann hat sie nun im Winter 2019 komplett überarbeitet, denn im Rahmen der ständigen Recherchen konnten neue Informationen gewonnen werden. Die Ausstellung wurde daher umgestaltet und erweitert und umfasst nun bisher unberücksichtigtes Material, wodurch ein noch präziseres Bild der einstigen jüdischen Gemeinde vor Ort gezeichnet werden kann. Eine ebenfalls erarbeitete Begleitbroschüre von Herrn Johann ergänzt die Ausstellung.
Spenden der KSK Kulturstiftung, der LAG Hunsrück und der Familie Metzen-Wahl aus Wittlich haben diesen Teil unserer Arbeit mitfinanziert. Ihnen allen gebührt besonderer Dank.
 
 

Renovierungen im Außenbereich

Einige Mängel an den Dachfirsten des Synagogengebäudes wurden in den letzten Wochen dank der Finanzierung durch die Gemeinde, eines Zuschusses der Verbandsgemeinde und Geldern aus dem Dorferneuerungsprogramm repariert. Darüber hinaus ist ein neuer Anstrich der Außenfassade durch Zuschüsse im Rahmen des o.g. Projektes „Was geht mich das an?“ vom Bundeslandwirtschaftsministerium ermöglicht worden.