Veröffentlichungen

         

 

Die erst in den 1980er Jahren einsetzende intensive, an den Quellen und Zeitzeugenberichten orientierte Beschäftigung mit der lokalen jüdisch-deutschen Geschichte, führte bei Vereinsmitgliedern zu umfangreichen privaten Sammlungen. Vor allem die Hollywood-Serie Holocaust und der 50. Jahrestag der Reichspogromnacht rüttelten viele Menschen auf. Lokale Initiativen entstanden, die sich für das Schicksal der Menschen ihrer Region und die zahlreichen jüdischen Kulturgüter (Synagogen, Friedhöfe, Trauerhallen, Mikwen) interessierten. Der Förderkreis in Laufersweiler war einer ersten in Rheinland-Pfalz. Eine neue Generation wollte endlich die Wahrheit erfahren und daraus Lehren für die Gegenwart und Zukunft ziehen.

Veröffentlichungen von sog. Heimatforschern, die selbst noch Teil des NS-Systems gewesen waren, verschwiegen die eigenen Verstrickungen und Schuld und beschäftigten sich nur sporadisch mit der jüdisch-deutschen Geschichte und dann nur in unverbindlichen oder romantisierenden Formen. In Ortschroniken kamen Juden nur am Rande vor, auch wenn sie vor 1933 über 20% der Bevölkerung ausgemacht hatten.   Die Integration in das bäuerliche Wirtschaftsleben und die wichtige Rolle für die Landwirtschaft spielten hierbei nur eine marginale oder keine Rolle. Man sprach von "schwerer Zeit", vom "dunklen Kapitel deutscher Geschichte", die aber nicht näher definiert wurden. Viele Heimathistoriker taten so, als seien alle Opfer gewesen, hätten vielfach von "nichts oder nur wenig" gewusst und man habe ja nichts gegen den Terror tun können. Die Chronik von Laufersweiler (1994) ist eine rühmliche Ausnahme, sie erschien direkt nach dem Heimatbesuch der ehemaligen jüdischen Bürger.

Dabei hatten gerade Überlebende und Familienangehörige von Ermordeten schon sehr bald nach der NS-Katastrophe Eingaben bei Ortsverwaltungen gemacht, um mehr über ihre ermordeten Angehörigen zu erfahren und ihrer zu gedenken.  Vielfach erhielten sie keine oder nur ausweichende Antworten, erinnernde Denkmäler oder Gedenkstätten an die Menschen, Synagogen oder Friedhöfe hatten keinen Platz in der Nachkriegsgeschichte, eine Gedenkstättenpädagogik entwickelte sich erst langsam. Alleine im heutigen  Rhein-Hunsrück -Kreis sind mindestens 343 Menschen in den verschiedenen Lagern zu Tode gekommen, deren Schicksale erst allmählich ins Bewusstsein gerufen wurden.

 

Mitglieder des Förderkreises setzten diesem Trend Veröffentlichungen entgegen, die in unserer Region vorbildlich wurden. In vielen Orten wirkten sie wie eine Befreiung: Gegen Fakten und Quellen konnte man nicht mehr andiskutieren. So sind diese Publikationen die Grundlage geworden für die Renovierung der Synagoge Laufersweiler, für die Beschäftigung in vielen Orten der Region und für die Einrichtung des Forst-Mayer Studien- und Begegnungszentrum für das Landjudentum in der Rhein-Mosel-Hunsrück-Region. Leider gibt es auch heute (2014) noch Orte, die sich nicht oder nur widerwillig ihrer jüdisch-deutschen Vergangenheit stellen  und wo es keinerlei Hinweise auf jüdisches Leben gibt.