Dauerausstellung

 

Nach der Unterschutzstellung und während der Renovierung der Synagoge Laufersweiler begann ein Arbeitskreis 1987 systematisch mit der Erforschung der Geschichte der jüdischen Gemeinde. Hans-Werner Johann, erster Vorsitzendes des 1988 gegründeten Förderkreises, sichtete Archivmaterial, befragte Zeitzeugen und nahm Kontakt zu Shoah-Überlebenden im Ausland auf. Es war als habe man eine Tür aufgestoßen: vor allem das Interesse der ehemals jüdischen Laufersweiler Bürger war enorm, hatte man ihnen doch die Jugend und vielen die Freiheit beraubt oder ihre Angehörigen ermordet. Über 40 Jahre nach der Befreiung Deutschlands vom Nazi-Terror war scheinbar die Zeit gekommen, offener über die Greueltaten zu sprechen, die auch in kleinen Dörfern und Städten verübt worden waren.

So ist die Ausstellung exemplarisch für das, was in vielen ländlichen Gemeinden geschah.

Die regionale Aufarbeitung und die kritische Auseinandersetzung mit der deutsch-jüdischen Geschichte stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Förderkreises. Besuchergruppen aus aller Welt, Schulklassen, kirchliche Gruppen und Einzelbesucher entdeckten schnell dieses Angebot, die lokale Presse und viele politisch und sozial engagierte Bürger untertützten das Anliegen.

Die Ausstellungstafeln vermitteln in chronologischer Folge die Geschichte der Juden in Laufersweiler, demonstrieren aber darüber hinaus durch die Auswahl der Fotos, Texte, Dokumente und Objekte die Übertragbarkeit auf andere Gemeinden im ländlichen Raum. In Vitrinen untergebrachte Objekte geben einen Einblick in die jüdische Religion. Die originalen liturgischen Gegenstände wurden während der Pogromnacht zerstört. Die Gebetbücher zeigen exemplarisch, wie die Aufarbeitung der deutsch-jüdischen Geschichte nach 1945 verlief: Sie gehörten jüdischen Familien, die nach Argentinien, USA oder Palästina geflohen waren und anlässlich von Besuchen der Überlebenden oder ihrer Angehörigen in ihrem alten Heimatort wieder den Weg zurück in die Synagoge fanden.

Kurze Beschreibung der Ausstellungstafeln:

Tafel 1: Jüdische Familien in Laufersweiler
Das großformatige Foto mit Laufersweiler jüdischen Kindern aus dem Jahre 1936 vermittelt das Leitmotov der Ausstellung: "Sie gehörten zu uns"

Tafel 2: Erste Erwähnung von Juden in Kirchberg im 13. Jahrhundert, jüdische Gemeinden (u.a. Gemünden, Sohren) im Umfeld von Laufersweiler

Tafeln 3 und 4: Sog. Schutzjuden in Laufersweiler - erste urkundliche Erwähnung von jüdischen Familien

Eine große Vitrine enthält Gegenstände, die teilweise von ehemaligen Laufersweiler Bürgern gespendet wurden:  Mesusa, Tallith, Teffilin, kleine Torarolle mit Zeiger, Schofar, Menora, Chanukka-Leuchter, Sederteller

Tafel 5: "Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit" - der Beginn der Emanzipation bis Ende des 19. jahrhunderts

Tafel 6: Der Großbrand in Laufersweiler und seine Folgen, Statistiken

Tafel 7: Seit Generationen: Juden waren Deutsche. Das Beispiel der Familie Joseph aus Laufersweiler

Tafel 8: "Für Volk und Vaterland" - Die Integration ins dörfliche Leben. Jüdische Anwesen in Laufersweiler

Tafeln 9 und 10: Menschen und Leben in Laufersweiler

In der Toranische: Bronzerelief und Tafeln mit den Namen der 25 ermordeten jüdischen Bürger.
Rechts daneben: Gemälde von Margot Seibert (Kellenbach) nach einer Erzählung von Paula Patry (Hennweiler):
"E Kind steht am Zaun"

Tafel 11: Die Geschichte der Synagoge

Tafel 12: Der Umgang mit dem deutsch-jüdischen Erbe: Das Beispiel Synagoge Laufersweiler

Tafel 13: "Wie fein sind deine Zelte, Jakob, und deine Wohnungen, Israel" - Die Unterschutzstellung und Renovierung

Tafel 14: Die Synagoge soll leben: Wiedereröffnung am 31.1.1988

Tafel 15: "Kauft nicht bei Juden" - Dokumente zur NS-Zeit.
Der Prozess der Ausschaltung der Juden aus dem sozialen und wirtschaftlichen Leben ab 1933.

Tafel 16: "Sonderrechte" für Juden in der Zeit des Nationalsozialismus

Tafel 17: Das Ende jüdischen Landlebens - Reichspogromnacht (1938) und Deportationen

Tafel 18: Wenige überlebten - keiner blieb. Das Beispiel des Heinz (Henry) Joseph

Tafel 19: Der jüdische Friedhof

Tafeln 20 - 22: Gemeinsame Erinnerungen: Die Laufersweiler Begegnungswoche 1994

Tafeln 23: Die jüdische Gemeinde von Rhaunen

Tafel 24: "Wo seid ihr? Lebt ihr noch?" - Dokumente der Verzweiflung aus Rhaunen und Schweden

Tafel 25. Pogrom und Deportation in Rhaunen

Tafeln 26-28: Die jüdische Gemeinde von Kastellaun