Broschüren

 

"Sie gehörten zu uns"

 

                                                                                    

Die Broschüren "Sie gehörten zu uns" (1988) und "Die Laufersweiler Synagogen" (1990) von Hans-Werner Johann waren der Beginn der gewissenhaften und an den Originaldokumenten orientierten Aufarbeitung der Geschichte der Juden in Laufersweiler. Damit begann auch die Tätigkeit des Förderkreises, fehlte doch bis dahin eine zusammenfassende Darstellung der jüdisch-deutschen Geschichte des Ortes und anderer Hunsrücker Gemeinden.  Der erste Titel allein drückt aus, worum es Herrn Johann ging: den Lesern bewusst zu machen, dass die jüdischen Bürger selbstverständlicher Teil der Bevölkerung waren.

Die detaillierte katholische Schulchronik erwähnt mit keinem Wort die angebliche Andersartigkeit oder rassische Minderwertigkeit der Juden. Die außergewöhnlich einfühlsame Schilderung der Schicksale der christlichen und jüdischen Kriegsverletzten, Gefallenen und Vermissten macht keinen Unterschied zwischen "Deutschen" und "Juden", sie stellt das große Leid der Familien in den Mittelpunkt und versucht in der Sprache der Zeit, sie als Helden darzustellen, die unterschiedslos für ihr Vaterland starben.

Die Chronik der evangelischen Schule "ist in den Wirren der Zeit" verschwunden, so der Lehrerchronist im Jahre 1951.

Der schleichende Antisemitismus machte vor allem nach dem Ersten Weltkrieg auch vor den Juden in kleinen Gemeinden keinen Halt und wurde nach dem 1. Weltkrieg zur beherrschenden Ideologie vieler Parteien und dann vor allem nach 1933 von der NSDAP in verbrecherische Politik umgesetzt. Die antisemitische und menschenverachtende Broschüre von Peter Meyer (1935) ist exemplarisch für diese Entwicklung, dort heisst es u.a.:

"Das gesamte Wesen und Tun des Juden ist dem Menschen nordischen Charakters fremd. Die im jüdischen Blute verschiedenartig vermischten morgenländichen Rassetypen geben seinem Träger ein eigenartiges Gepräge, mit dem der nordische Rassetyp sich nicht zurechtfindet" (S.1).

Hans-Werner Johann hat auch für die Dauerausstellung im Gedenkraum den Titel "Sie gehörten zu uns" gewählt und spannt den großen Bogen von der ersten urkundlich belegten Besiedlung bis zur Vernichtung der jüdischen Gemeinde und ihrer Mitglieder im Dritten Reich.  Die Ausstellung macht deutlich, wie die  jüdische Bevölkerung in die bäuerliche Welt einer Landgemeinde integriert war, ganz geprägt von der Abhängigkeit vom Wetter, von Krankheiten, Seuchen und Schicksalsschlägen, aber auch von der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Nur in der alltäglichen Glaubensausübung  zeigte sich der Unterschied zwischen den Bevölkerungsgruppen.

Die Ausstellung ist bis auf wenige Änderungen und Ergänzungen eine der Grundlagen geblieben für die Erinnerung an das Landjudentum im Rhein-Mosel-Hunsrück-Raum.

Hans-Werner Johann hat auch die Broschüre "Die Laufersweiler Synagogen" (1990) verfasst. Sie spannt den Bogen von der Ersterwähnung einer Synagoge über den Neubau nach dem großen Brand (1839), über den jetzigen Bau (1911) und die Schändungen in der Reichspogromnacht bis hin zur Renovierung ab 1985. Diese umfangreiche Quellen- und Archivarbeit  war deshalb auch die fachliche Grundlage für die Entscheidung, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.