Pädagogisches Konzept

Carolin Manns (2016): "Das Forst-Mayer Studien- und Begegnungszentrum. Ein pädagogisches Konzept". Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Koblenz-Landau

Als sich in den 80er Jahren in Laufersweiler eine Bürgerinitiative bildet, die sich entschlossen für den Erhalt des Synagogengebäudes, seine Restaurierung und die Einrichtung eines Gedenkraumes  einsetzte, steht die systematische Aufarbeitung der deutsch-jüdischen Vergangenheit erst am Anfang. Ausgelöst durch die Auschwitz-Prozesse 1963 und die Ausstrahlung der US-Fernsehserie Holocaust Ende der 70er Jahre, setzt erst allmählich ein Prozess der Annäherung an und Auseinandersetzung mit jenem düsteren Kapitel der eigenen Geschichte ein, das bis heute manche lieber dem Vergessen übereignen würden. Obwohl es bereits zuvor einige wenige Gedenkstätten an bekannten Orten ehemaliger Konzentrationslager gibt, entsteht erst in den 1980er Jahren eine größere Zahl an Erinnerungsorten, die zunehmend auch unterschiedliche Opfergruppen in den Blick nehmen. Heute bilden sie wichtige Zentren unserer kollektiven Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialmus. Hin und wieder wird gar diskutiert ob Gedenkstättenbesuche zu einem verpflichtenden Teil des Schulcurriculums erklärt werden sollten, denn der Umgang mit diesem Teil der Vergangenheit berührt wesentliche Fragen einer nationalen Identität.

„Das Forst-Mayer Studien- und Begegnungzentrum. Ein pädagogisches Konzept“ entsteht als Diplomarbeit im Fachbereich Bildungswissenschaften an der Universität Koblenz-Landau und greift tief in den oben beschriebenen Sachverhalt hinein. Die Arbeit stützt sich auf die Annahme, dass die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zunehmend einer Vermittlung und Übersetzung historischer Erfahrungen bedürfe. Vor allem angesichts zunehmender zeitlicher Distanz, werde den Bereichen Lernen und Forschen daher immer mehr Bedeutung beigemessen und der Schwerpunkt der Gedenkstättenarbeit habe sich auf pädagogisches Handeln verschoben.

Die Arbeit klärt grundlegende Fragen der Gedenkstättenpädagogik und greift aktuelle Diskurse der Praxis auf. Dazu zählen z.B. die Frage nach der Bedeutung der Authentizität des Ortes, der Umgang mit Betroffenheit und die Reaktion auf eine zunehmend heterogene Besucherschaft, die wiederum höchst unterschiedliche Voraussetzungen und Zugänge zur den Themen Nationalsozialismus und Religion mitbringt.

In diesen Kontext ordnet Carolin Manns die Arbeit des Studien- und Begegnungszentrums ein und erläutert Möglichkeiten und Chancen der Bildungsarbeit für dieses Beispiel der Erinnerungsarbeit. Sie betont, dass stets die Geschichte eines historischen Ortes über die Auswahl möglicher Themen der Vermittlung entscheidet. Daraus ergibt sich eine Sonderstellung der ehemaligen Synagoge Laufersweiler, die zu den wenigen erhaltenen Sakralgebäuden zählt, das von einem weithin in Vergessenheit geratenem, ländlich geprägtem Judentum zeugt. Der Ort grenzt sich deutlich von anderen Einrichtungen und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ab, denn die Synagoge richtet den Fokus auf das Zusammenleben der Religionen, jüdisches Leben, aber auch dessen gewaltsame Zerstörung.

Mit der Arbeit konnte überzeugend dargelegt werden, dass die ehemalige Synagoge Laufersweiler eine wichtige Ergänzung zu den großen Gedenkstätteninitiativen des Landes bildet und mit der bisherigen Arbeit ein wichtiger Grundstein gelegt werden konnte für eine nachhaltige Erinnerungsarbeit, die es auch für die Zukunft zu fördern und auszubauen gilt.